Hildegard und
Hans Theo Richter - Stiftung

Die Stiftung
Gründung, Aufgaben und Wirken


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Die Stiftung

Die Hildegard und Hans Theo Richter–Stiftung Es ist für die Bewahrung, Pflege und wissenschaftliche Erforschung des Werkes von Hans Theo Richter ein besonderer Glücksumstand, dass seine zweite Frau, Hildegard Richter, geborene Fausten, am 28. Oktober 1997 die Hildegard und Hans Theo Richter-Stiftung in Dresden als Stiftung bürgerlichen Rechts errichtet hat.

Hildegard Richter war 22 Jahre lang mit dem aus Rochlitz stammenden Künstler Hans Theo Richter verheiratet. Nach dessen Tode im Jahre 1969 hütete sie den Nachlass des Künstlers für fast drei Jahrzehnte. Hildegard Fausten wuchs wohlbehütet in einer ursprünglich aus dem Rheinland stammenden bürgerlichen Familie auf. Ihr Vater, Dr. Alfons Fausten, war ein erfolgreicher Chemiker, er kehrte im Jahre 1912 nach einem siebenjährigen Aufenthalt in New Jersey in den USA nach Deutschland zurück. Im Jahre 1917 wurden Hildegard Fausten geboren, zu dieser Zeit führte ihr Vater eine chemische Fabrik im anhaltinischen Güsten bei Staßfurt. 1927 übernahm er eine Niederlassung der IG Farben in Eilenburg bei Leipzig. Die beiden Brüder Hildegards besuchten nun die Thomasschule in Leipzig. Von da aus unternahm die Familie regelmäßige Reisen nach Dresden, um besonders die katholischen Feiertag in der Hofkirche zu begehen und die Museen der Stadt an der Elbe zu besuchen. Hildegard Fausten verbrachte während ihrer Schulzeit drei Jahre in einem Mädchenpensionat in Hohenfried bei Bayerisch Gmain. Von hier aus reiste sie mit ihren Großeltern oft nach Salzburg und München, diese Erlebnisse blieben für Ihr weiteres Leben und ihre Liebe zur Kunst prägend. Später begann Hildegard Fausten ein künstlerisches Studium in Leipzig und erlebte da die Jahre des Krieges, im Jahr 1943 erlitt sie bei einem Bombardement der Stadt eine schwere Kopfverletzung. Einen tiefen Einschnitt im Leben der Stifterin bedeutete der Tod ihrer beiden Brüder im Zweiten Weltkrieg in den Jahren 1942 und 1944. Der Zeichner und Graphiker Hans Theo Richter war im Jahre 1944 als Dozent in Leipzig an der Staatlichen Akademie für Graphische Künste und Buchgewerbe tätig, da lernte Hildegard Fausten ihren späteren Mann auch kennen. Im Jahre 1947 erhielt Hans Theo Richter eine Professur in Dresden und heiratete seine Schülerin Hildegard Fausten. Hans Theo Richter starb am 14.9.1969 in Dresden. In bemerkenswerter Weise widmete sich Hildegard Richter von nun an der Pflege des Werkes ihres verstorbenen Ehemannes.

Nachdem die Witwe des Künstlers bereits in den Jahrzehnten zuvor dem Dresdner Kupferstich-Kabinett jeweils ein Exemplar des graphischen Werkes von Hans Theo Richter mit über 600 Nummern sowie eine erlesene Auswahl von Zeichnungen geschenkt hatte, entschloss sie sich im Jahre 1997 eine Stiftung zu errichten, in die nach ihrem Tode der künstlerische Nachlass ihres Mannes sowie ihr persönliches Vermögen eingegangen sind.

Der Zweck der Stiftung ist es, das künstlerische Werk von Hans Theo Richter zu bewahren, wissenschaftlich zu bearbeiten und der Allgemeinheit im Interesse der Bildung und Erziehung in geeigneter Weise zugänglich zu machen. Zugleich hat die Stiftung die finanzielle Trägerschaft des „Hans Theo Richter-Preises der Sächsischen Akademie der Künste“ übernommen, dieser Preis ist mit 20.000,- € der bis heute höchst dotierte Graphikpreis in Deutschland und wird in regelmäßigen Abständen verliehen. Die bisherigen Preisträger sind Max Uhlig, Jiri Kolar, Paula Ribariu, Werner Wittig, Peter Graf, Thomas Ranft, Lutz Fleischer, Wolfram Adalbert Scheffler, Dieter Goltzsche, Hanns Schimansky und im Jahr 2014 Claus Weidensdorfer.

In den vergangenen sechzehn Jahren hat der Vorstand der Hildegard und Hans Theo Richter-Stiftung die wissenschaftliche, konservatorische und archivalische Erfassung der Bestände der Stiftung weitestgehend abgeschlossen. Die von der Stiftung angeregten und zumeist auch finanziell wesentlich getragenen Ausstellungen in den Jahren von 1999 bis 2011 in Dresden, Berlin, Köln und Paderborn haben dazu beigetragen, das Werk Hans Theo Richters der interessierten Gruppe von Freunden, Sammlern und Kunsthistorikern, die Richters Kunst zeitlebens verbunden waren und sind, weiter nahe zu bringen sowie auch eine neue Sammlerschaft zu erreichen.

Auch wurden von Seiten der Stiftung Ausstellungen und Publikationen zum Werk von Richters Schülern immer wieder gefördert, so etwa die Veröffentlichungen zum Werk Claus Weidensdorfers und Dieter Goltzsches. Besonders ist an dieser Stelle auch auf das direkte finanzielle Vermächtnis von Frau Richter in Höhe von 205.000,- Euro hinzuweisen, welches dem Kupferstich-Kabinett Dresden zahlreiche namhafte Erwerbungen erlaubt hat.

Neben den verstorbenen beiden Gründungsvorständen der Hildegard und Hans Theo Richter-Stiftung, Frau Hildegard Richter und Herrn Werner Schmidt, soll an dieser Stelle ausdrücklich auch jenen Personen gedankt werden, die in unermüdlicher Arbeit mit Rat und Tat an der Umsetzung von Hildegard Richters Wunsch und späterem Vermächtnis mitgewirkt haben: Herr Dr. Heiner Köster hat als Jurist und Vertrauter von Frau Richter die gesamte Administration in den Jahren der Gründung der Stiftung in den Händen gehalten, immer wieder unterstützt von dem Regierungspräsidium Dresden, dabei besonders von Herrn Roland Schreyer. Der damalige neu amtierende Direktor des Kupferstich-Kabinettes Dresden, Herr Dr. Wolfgang Holler, hat sich stets in freundschaftlicher Weise bemüht, die Wünsche der Stifterin umzusetzen und so ebenfalls einen wesentlichen Anteil am Gelingen des Gesamtprojektes. Entscheidende Hinweise erhielten die Gründungsvorstände auch von Herrn Klaus F.K. Schmidt, dem großherzigen Gönner des Kupferstich-Kabinettes Dresden und der Staatlichen Kunstsammlungen.

Die beiden derzeit amtierenden Vorstände der Hildegard und Hans Theo Richter-Stiftung, Frau Christiane Meinhold-Gerth und Herr Sebastian Schmidt, sind sich stets der großen Verpflichtung der Stifterin gegenüber bewußt und hoffen, mit ihrer Arbeit und ihrem Engagement den Fortbestand der Stiftung auch weiterhin sicherzustellen. In den vergangenen Jahren ist erfreulicherweise auch das Interesse eines jüngeren Publikums am Werk Hans Theo Richters gestiegen, vielleicht ist das auch ein Fingerzeig darauf, dass in hoffentlich naher Zukunft nicht mehr nur die lauten und schrillen Töne des Kunstbetriebes Gehör finden, sondern auch wieder vermehrt die stillen und traditionellen Töne menschlichen Schöpfertums in den Focus der Öffentlichkeit rücken.

Sebastian Schmidt